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Du hast die Beweise. Du hast Recht. Und kannst trotzdem nicht schlafen.

17. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Sept.

Vor einigen Jahren bekam ich eine Nachforderung meines Gasanbieters: über 2.000 Euro sollte ich nachzahlen. Ich hatte gute Belege, das die Berechnung ein Fehler sein musste. Am Ende bekam ich sogar recht – der Anbieter musste mir das Geld zurückzahlen, statt umgekehrt.


Trotzdem konnte ich während der zwei Wochen, die die Klärung dauerte nur schlecht schlafen. Ich ging in einen regelrechten Kampfmodus, war tagelang gereizt, grüblerisch und unkonzentriert. Ausgerechnet in dem Moment, in dem ich ruhig hätte bleiben müssen, um meine Belege und Argumente sauber zu ordnen, war ich dazu kaum in der Lage.

Etwas in mir reagierte, als stünde weit mehr auf dem Spiel als eine klärbare Rechnung.


Vielleicht kennst du eine eigene Version davon: eine Situation, in der du eigentlich weißt, was Sache ist und die Lage im Griff haben könntest - doch es gelingt dir nicht. Du verhältst dich auf eine Art, die von außen als "überreagieren" bezeichnet werden könnte. Innerlich bist du angespannt, nervös oder fühlst dich handlungsunfähig bzw. bist wie eingefroren.


Und jetzt kommt's: das kann eine Traumafolge sein.



Genau das ist eine der Arten, wie sich Traumafolgen zeigen: nicht als Erinnerung an ein Ereignis, sondern als Reaktion in der Gegenwart, die stärker, schneller oder hartnäckiger ist, als die aktuelle Lage es eigentlich braucht.


Die folgenden zwei Fragen sollen dir dabei helfen herauszufinden, ob du ein ähnliches Muster bei dir selbst erkennst – ein Nervensystem, das in bestimmten Momenten nicht mehr angemessen reagiert, sondern nach einem alten Programm.


Zwei Fragen, um ein altes Reaktionsmuster zu erkennen

Erste Frage: Gibt es eine Situation, in der du eigentlich wusstest, was richtig oder wahr war – und trotzdem nicht ruhig danach handeln konntest? Such dir ein konkretes Bild: eine Rechnung, eine Nachricht, ein Gespräch, das dir noch nachgeht, obwohl es längst geklärt oder vorbei ist. Wenn dir gerade eine Situation einfällt: Genau da würden wir ansetzen. Nicht bei der Frage, ob die Reaktion "richtig" war, sondern bei dem, was dein Körper in diesem Moment getan hat.

Zweite Frage: Kennst du dieses Muster auch von jemand anderem in deiner Familie? Vielleicht reagiert deine Mutter, dein Vater oder ein Großelternteil ähnlich, sobald Kontrolle oder Sicherheit auf dem Spiel zu stehen scheinen. Vielleicht wurde in deiner Familie nie offen über Geld, Existenzängste oder Verlust gesprochen – und trotzdem liegt eine Anspannung über solchen Themen, die keiner erklären kann. Das kann etwas sein, das du übernommen hast, lange bevor es deine eigene Geschichte wurde.


Kein Etikett. Ein freier Blick.

Du musst nicht wissen, ob sich das offiziell "Trauma" nennen lässt. Bei der Rechnung ging es nie wirklich um 2.000 Euro. Es ging um etwas Älteres, das durch die Situation nur berührt wurde – eine Reaktion, die einmal sinnvoll war, weil sie einer echten Bedrohung galt, und die seitdem anspringt, sobald etwas sich auch nur entfernt danach anfühlt.


Genau da setzt meine Arbeit an. Nicht bei der Frage, welches Wort das Richtige ist, sondern dabei, das freizulegen, was du eigentlich schon weißt oder spürst, aber gerade nicht erreichen kannst. In der systemischen Aufstellungsarbeit wird sichtbar, wessen Geschichte du eigentlich mitträgst. Beim neurogenen Zittern (TRE) darf dein Nervensystem die Anspannung loslassen, die sich über Jahre in Schultern, Kiefer oder Bauch festgesetzt hat. Schritt für Schritt, an dem konkreten Punkt, den du mitbringst – egal, ob wir uns persönlich in Wismar oder Wedendorf begegnen, oder online, unabhängig davon, wo du wohnst.

Du musst nicht deine ganze Geschichte kennen, bevor du dich meldest. Ein einziges Bild reicht als Anfang – so wie bei mir eine Gasrechnung gereicht hat, um zu verstehen, dass es nie nur um die Rechnung ging.


Kein Screening. Wir schauen uns gemeinsam das eine Bild an, das du mitbringst.


 
 
 

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